Rechnergestützter Zugleitbetrieb (RgZLB) bei Pinzgauer Lokalbahn

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Während unserer Sonderzugfahrt nach Zell am See entwickelte sich mein Interesse am Zugleitbetrieb in eine völlig neue Richtung. Zur Fahrt gehörte auch ein Besuch der 53 km langen, 760-mm-Schmalspurbahn Pinzgauer Lokalbahn (PLB), die von Zell am See nach Krimml verkehrt. Bereits am Bahnhof Zell am See und später im Betriebswerk Tischlerhäusl fielen mir einige Schilder auf, darunter Z Vm, Zlm Tih und Zlm HzH.

Ich fragte unseren PLB-Begleiter danach. Zufällig war er auch der Triebfahrzeugführer unseres Sonderzuges, der rund 50 Teilnehmer von Zell am See nach Tischlerhäusl gebracht hatte. Ich erzählte ihm, dass ich mit dem deutschen Zugleitbetrieb vertraut bin und vermutete, dass Zlm für Zuglaufmeldung und Vm für Verlassensmeldung steht.

Er bestätigte meine Vermutung. Das Z steht als Kurzbezeichnung für den Bahnhof Zell am See, während Zlm eine Zuglaufmeldestelle bezeichnet. Tih steht für Tischlerhäusl, HzH für Heizhaus, wie auf dem Foto oben zu sehen ist.

Außerdem erklärte er mir, dass die Triebfahrzeugführer den Zugleiter in Tischlerhäusl – anders als in Deutschland – nicht per Funk anrufen. Stattdessen erfolgt die Kommunikation über das Fahrzeugdisplay. Dort sendet der Tf eine Fa (Fahrtanfrage), um die Zustimmung zur Weiterfahrt anzufordern, und meldet nach Erreichen der nächsten Zuglaufmeldestelle seine Ankunft mit einer An (Ankunftsmeldung).

Leider blieb nicht genügend Zeit, um den Zugleitbetrieb der Pinzgauer Lokalbahn ausführlicher zu besprechen. Deshalb habe ich anschließend selbst weiter recherchiert.

Die Pinzgauer Lokalbahn führte bereits 2012 ein rechnergestütztes Zugleitsystem von Siemens ein und ersetzte damit das frühere papiergestützte sowie mechanische Betriebsverfahren. Jeder Zug – einschließlich der historischen Dampflokomotive Mh.3 – ist mit einem Fahrzeugdisplay und einer GPS-Antenne ausgestattet, sodass seine Position jederzeit bestimmt werden kann.

Zusätzlich sind entlang der Strecke, insbesondere an Bahnhöfen und Haltepunkten, ETCS-Eurobalisen – die gelben Transponder zwischen den Schienen – installiert. Zusammen mit den Wegimpulsen des Raddrehgebers kann die Zugleitzentrale in Tischlerhäusl jederzeit die exakte Position und den zurückgelegten Fahrweg eines Zuges ermitteln. Überschreitet ein Zug seine zulässige Fahrgrenze, warnt das System zunächst den Triebfahrzeugführer und leitet bei Bedarf selbstständig eine Bremsung ein, um Kollisionen zu verhindern.

Dadurch können auf der Strecke vollständig auf klassische Haupt- und Vorsignale verzichtet werden, was für die Pinzgauer Lokalbahn erhebliche Betriebs- und Unterhaltungskosten einspart.

Im Grunde bilden die Eurobalisen virtuelle Geofences an den Bahnhöfen. Dadurch kennt das System jederzeit die genaue Position jedes Zuges – insbesondere bei Zugkreuzungen und Bahnhofseinfahrten. Die Fahrzeuge übermitteln ihre Daten kontinuierlich über das öffentliche GSM-Netz an die Zugleitzentrale. Auf Grundlage dieser permanenten Kommunikation werden die Weichen automatisch gestellt. Der Zugleiter überwacht den gesamten Betrieb an seinem Bildschirm und kann bei Bedarf einzelne Weichen auch per Mausklick bedienen.

Die folgende Grafik zeigt die verschiedenen Zuglaufmeldestellen (Zlm) entlang der Strecke sowie die Bahnhöfe (rot dargestellt). Über das Fahrzeugdisplay sendet der Triebfahrzeugführer zunächst eine Fa (Fahrtanfrage), um die Zustimmung zur Weiterfahrt anzufordern. Nachdem die Fahrerlaubnis erteilt wurde, fährt der Zug bis zur nächsten Zuglaufmeldestelle. Dort bestätigt der Triebfahrzeugführer seine Ankunft mit einer An (Ankunftsmeldung).

Ein Beispiel: Der Triebfahrzeugführer fordert die Fahrerlaubnis in Zell am See Lokalbahn (Zlb) an und meldet seine Ankunft erst in Tischlerhäusl (Tih). Für die Weiterfahrt stellt er dort erneut eine Fahrtanfrage und meldet seine Ankunft anschließend erst in Bruckberg (Brb). Zwischen zwei Zuglaufmeldestellen sind weder weitere Fahrtanfragen noch zusätzliche Ankunftsmeldungen erforderlich.

Für mich war es besonders spannend zu sehen, wie die Pinzgauer Lokalbahn ihren Zugleitbetrieb vollständig digitalisiert hat. Der direkte Vergleich mit dem deutschen Zugleitverfahren, das ich bereits kenne, zeigte eindrucksvoll, wie moderne Technik den Betrieb auf einer eingleisigen Nebenbahn vereinfachen und gleichzeitig ein hohes Maß an Betriebssicherheit gewährleisten kann.


ENGLISH VERSION

Computer-assisted Train Dispatcher Operation (RgZLB) at Pinzgauer Lokalbahn

It was during the special excursion to Zell am See that my interest in train dispatching (Zugleitbetrieb) took an unexpected turn. The excursion also included a visit to the 53 km long, 760 mm narrow-gauge Pinzgauer Lokalbahn (PLB), which runs from Zell am See to Krimml. As soon as I arrived at Zell am See station and later at the Pinzgauer Lokalbahn depot at Tischlerhäusl, I noticed several unfamiliar signs, including Z Vm, Zlm Tih, and Zlm HzH

I asked our PLB guide about them. Coincidentally, he was also the driver of the special train that had brought around 50 of us from Zell am See to Tischlerhäusl. I explained that I was familiar with the German Zugleitbetrieb and guessed that Zlm stood for Zuglaufmeldung (train movement report) and Vm for Verlassensmeldung (departure report).

He confirmed that I was on the right track. The letter Z is the station code for Zell am See, while Zlm refers to a Zuglaufmeldestelle (train movement reporting point). Tih stands for Tischlerhäusl and HzH for Heizhaus, as shown in the photo above.

He also explained that train drivers do not call the train dispatcher (Zugleiter) at Tischlerhäusl by radio, as they would in Germany. Instead, they use the onboard display to submit a Fa (Fahrtanfrage) to request permission to proceed and later send an An (Ankunftsmeldung) when they reach the next reporting point.

Unfortunately, we did not have enough time to discuss the PLB’s Zugleitbetrieb in greater detail, so I continued my research afterwards.

The Pinzgauer Lokalbahn introduced a Siemens computer-assisted train dispatching system (rechnergestütztes Zugleitsystem) in 2012, replacing the previous paper-based and mechanical operating procedures. Every train, including the historic steam locomotive Mh.3, is equipped with an onboard display and a GPS antenna that continuously determines its position.

In addition, ETCS Eurobalises—the yellow transponders mounted between the rails—are installed, particularly at stations and halts. Together with the wheel rotation counter, these Eurobalises enable the central controller at Tischlerhäusl to determine each train’s exact position and distance travelled. If a train exceeds its authorised movement limit, the system automatically warns the driver and, if necessary, applies the brakes to prevent a collision.

Because train locations are monitored electronically, conventional lineside signals are no longer required, resulting in significant operational cost savings for the PLB.

In many ways, the Eurobalises act like geofences around stations, allowing the system to monitor train positions accurately, particularly during train crossings (Zugkreuzungen) and station approaches. The trains continuously exchange data with the central controller via the public GSM network. Based on this continuous communication, points are automatically set, while the train dispatcher (Zugleiter) supervises the entire operation from the control workstation and can operate points manually with a mouse click whenever required.

The diagram below illustrates the various train movement reporting points (Zlm – Zuglaufmeldestellen) used by train drivers, in addition to the stations (in red). Using the onboard display, the driver first presses Fa (Fahrtanfrage) to request permission to proceed. Once movement authority has been granted, the train continues to the next reporting point, where the driver sends an An (Ankunftsmeldung).

For example, a driver departing Zell am See Lokalbahn (Zlb) requests movement authority there and reports arrival only at Tischlerhäusl (Tih). To continue the journey, the driver then requests movement authority at Tischlerhäusl and reports arrival at Bruckberg (Brb). No additional requests or arrival reports are required between these reporting points.

Seeing how the Pinzgauer Lokalbahn has digitised its Zugleitbetrieb was one of the most interesting parts of the excursion for me. It was fascinating to compare the Austrian approach with the German procedures that I already knew and to see how modern technology has simplified train dispatching on a rural branch line while maintaining a high level of operational safety.

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